Beruf und Privatleben

Unter der Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf versteht man die Möglichkeit Erwachsener im arbeitsfähigen Alter, sich zugleich Beruf und Karriere sowie dem Leben in der Familie und der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Personen zu widmen. Aber auch Bereiche wie Ehrenamt, Freundschaften und Hobbys sind gemeint. Deswegen spricht man mittlerweile häufiger von der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben statt von Familie und Beruf. Dementsprechend bezeichnet der englischsprachige Begriff Work-Life-Balance einen Zustand, in dem Arbeits- und Privatleben, auch für Singles, miteinander in Einklang stehen. Allgemein ausgedrückt geht es darum, die eigene Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten und zugleich die eigene Lebensplanung zu verwirklichen.

Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gewinnt unter volkswirtschaftlichen Aspekten zunehmend an Bedeutung und folglich nimmt sich auch die Politik verstärkt des Themas an. Eine Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ist vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Globalisierung wichtig, um zwei Ziele zugleich zu verfolgen: eine Erhöhung der Zahl gut ausgebildeter Arbeitskräfte, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen (insbesondere durch die Erhöhung der Frauenerwerbsquote) sowie eine Erhöhung der Geburtenrate. Diese Faktoren gelten als wichtig für die Rentenfinanzierung und die Vermeidung eines Fachkräftemangels.

Gesundheitliche Folgen

Aber auch die gesundheitlichen Folgen für Beschäftigte durch die weiterhin zunehmende Arbeitsverdichtung erfordern neue Wege. So zeigte der "Stress-Report 2012", dass mit 52 Prozent über die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung unter starkem Termin- und Leistungsdruck arbeitet.

Hinzu kommt, dass die Erwerbsbiographie mit der klassischen „männlichen“ Dreiteilung in Ausbildung, Beruf und Ruhestand immer seltener wird. Moderne Erwerbsbiografien sind häufig gekennzeichnet durch Unterbrechungen, Arbeitszeitreduzierungen oder Brüche in der Karriereentwicklung. Vor allem in der mittleren Lebensphase kommt zu Karriere und Kindern oft auch die Pflege der eigenen Eltern. Mit diesen Anforderungen ändert sich die Perspektive der Beschäftigten auf ihre Arbeitszeiten. Familien stehen vor der Aufgabe ihre gemeinsamen Zeiten zu gestalten. Wobei die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben keinesfalls nur Familien mit Kindern betrifft. Alle Beschäftigten haben einen Anspruch auf eine gute Balance von Erwerbsarbeit und Privatleben.

Soziale Verunsicherung

Darüber hinaus tragen soziale Verunsicherungen wie Leiharbeit oder befristete Beschäftigung dazu bei, die Zukunftsperspektiven von Beschäftigten zu schmälern. Flexible Lebensverläufe und schwindende soziale Absicherung haben dazu geführt, dass die Abhängigkeit von Arbeitsmarkt und Familie – auch für Männer – in wichtigen Lebensabschnitten zunimmt. Der Druck zu ständiger Erreichbarkeit und Verfügbarkeit verwischt die Grenzen zwischen Erwerbsarbeit und Privatleben.

Lebenslauforientierte Arbeitszeiten

Um den Herausforderungen einer humaneren Arbeitsgestaltung besser gerecht zu werden, gewinnt das Konzept von lebenslauforientierten Arbeitszeiten an Bedeutung. Arbeitszeiten, die sich an die unterschiedlichen Lebensphasen anpassen, sind in erster Linie dazu geeignet, die Arbeitszeiten im Sinne der Beschäftigten zu flexibilisieren.

Eine neue lebenslaufsorientierte Normalarbeitszeit könnte die Verschiedenartigkeit in den Lebensstilen, den Einstellungen zu Familie und Beruf, sich ändernde Rollenbilder von Frauen und Männern sowie die unterschiedlichen Zeitanforderungen in den Lebensbereichen aufnehmen. Berufliche, individuelle und familiäre Umbruchsituationen rücken in den Fokus.

Im Betrieb können lebenslauforientierte Arbeitszeiten so gestaltet sein, dass ein Mix aus verschiedenen Arbeitszeitmodellen und Zeitoptionen die individuelle Zeitsouveränität der Beschäftigten erhöht. Zeitkonten können für Sabbaticals, Blockfreizeiten oder Familienzeiten verwendet werden. Wechselmöglichkeiten zwischen Vollzeit und Teilzeit, zwischen unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen oder Schichtlagen erhöhen die individuellen Wahlfreiheiten.

Quelle: Arbeitszeiten in verschiedenen Lebensphasen gestalten, S. 4, Herausgeber: DGB Bundesvorstand,
Projekt „Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten, 2012

In der deutschen Metallbranche haben bisher nur zehn Prozent der Unternehmen Betriebsvereinbarungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf abgeschlossen. Wichtige Handlungsfelder für betriebliche Akteure sind u. a. flexible Arbeitszeitregelungen, flexible Arbeitsorganisation, Freistellungsregelungen, Unterstützung bei Kinderbetreuung sowie Pflege von Angehörigen.

Gute Beispiele für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

  • Im Urlaub keine E-Mail: Bei Daimler haben Betriebsrat und Arbeitgeber geregelt, dass E-Mails während des Urlaubs auf Wunsch der Beschäftigten gelöscht werden. Seit Anfang 2013 kann jeder Mitarbeiter bis hin zum Manager davon Gebrauch machen. Damit Anfragen nicht ins Leere laufen, verweist eine Abwesenheitsnotiz auf den zuständigen Vertreter.
  • Der Autobauer Volkswagen hatte Ende 2011 bereits eine ähnliche Regelung erlassen - und eine Smartphone-Pause nach Feierabend eingeführt. Die Blackberrys von VW-Mitarbeitern können seitdem von 18.15 Uhr bis 7 Uhr morgens keine Mails mehr empfangen.