Tarifverträge für die Weiterbildung

Diese zwei Tarifverträge fördern und regeln die Weiterbildung der Beschäftigten im Metallhandwerk in Niedersachsen:



Der Tarifvertrag Qualifizierung

für das metallverarbeitende Handwerk

Weiterbildung soll fester Bestandteil des Betriebes werden. Der Tarifvertrag (abgeschlossen 2009) beschreibt deshalb, wie die Handwerksbetriebe ihren Bildungsbedarf ermitteln und planen. Geklärt wird auch, welche Weiterbildungstypen es gibt. Er legt fest, mit welcher Förderung der Beschäftigte bzw. die Beschäftigte* rechnen kann, wenn sie an Bildungskursen teilnehmen. Im jährlichen Qualifizierungsgespräch wird besprochen, welche Bildung notwendig ist.

Rahmentarifvertrag Plus

für das metallverarbeitende Handwerk.

Wenn ein Beschäftigter den Meister, Techniker oder Betriebswirt im Handwerk macht, dann ist jede Unterstützung willkommen. Es kostet viel Zeit und auch richtig Geld. Deshalb kann der Tarifvertrag helfen, wenn ein betrieblichen Bedarf und eine freiwillige Betriebsvereinbarung vorliegen: Empfohlen wird, dass bei Weiterbildungen 24 Monate lang 300 €, zusätzlich zum Meister-BAföG, gezahlt werden. Nach der erfolgreichen Prüfung soll es einen neuen Arbeitsplatz geben, wo die erlernten Kompetenzen auch angewandt werden. Fragt euren Betriebsrat, ob es Vereinbarungen gibt.

Die Tarifverträge binden nur die Betriebe des Metallhandwerks in Niedersachsen, die Innungsmitglied sind.


Tarifverträge zur Qualifizierung – bringen die was für mich?

Vierzehn Fragen & Antworten


1Wozu sind Weiterbildungs-Tarifverträge da?

Mit konkreten Absprachen wollen die Tarifparteien des Metallhandwerks, also der Landesinnungsverband und die Gewerkschaft IG Metall, dass mehr Betriebe und Beschäftigte sich in Sachen Weiterbildung engagieren. Die Betriebe erhalten heute Aufträge, die nur mit moderner Technik, Kreativität und mit immer Innovationen zu stemmen sind. Um hohe Qualität abliefern zu können, brauchen die Arbeitnehmer umfassende Kompetenzen, die gilt es zu entwickeln und zu pflegen. Sich weiter bilden ist für jeden Beschäftigten unabdingbar. Die Tarifverträge stellen Regeln auf, nach denen qualifiziert wird. Sie schaffen einen festen Grund, von dem aus alle Beteiligten sicher operieren können.

2Gelten die Tarifverträge für mich?

Für alle in der IG Metall organisierten Beschäftigten in einem Betrieb des Metallbauerhandwerks, der auch Mitglied in der Innung ist, gelten die beiden Tarifverträge. Zum Landesverband Metall gehören Betriebe des Metallbauerhandwerks mit den Schwerpunkten Konstruktions-, Fördertechnik und Anlagenbau, Metallgestaltung, Nutzfahrzeugbau, Landtechnik, Schließ- und Sicherungstechnik, Feinwerkmechaniker mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Werkzeugbau, Feinmechanik, Metall und Glockengießer in den Ländern Niedersachsen und Bremen. Der Landesinnungsverband des Landmaschinenmechaniker-Handwerks in Niedersachsen und die Landesinnung Kälte-Klimatechnik in Niedersachen/Sachsen-Anhalt haben ebenfalls die Tarifverträge unterschrieben. Für die Beschäftigten in diesen Innungsbetrieben gelten die Regelungen also auch.

3Welche Vorteile habe ich durch die Tarifverträge?

Die Betriebe im Metallhandwerk, die in der Innung sind, haben sich verpflichtet, den betrieblichen Qualifizierungsbedarf regelmäßig zu ermitteln. Die daraus abgeleiteten Weiterbildungsmaßnahmen sollen die Beschäftigten auf die veränderte Arbeit vorbereiten. Das kommt Dir als Arbeitnehmer/in unmittelbar zugute.
Generell gilt: Dem Thema Weiterbildung soll mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dazu haben die Tarifparteien sich verpflichtet. Das ist auch gut so: Beschäftigte, die sich weiterqualifizieren, verbessern ihre Berufschancen, sichern ihren Arbeitsplatz, ihr Einkommen und ihre Karriere-Optionen steigen.

4Was versprechen sich die Arbeitgeber und die Beschäftigten von Weiterbildung?

Die Arbeitgeber haben vier zentrale Gründe für ihr Engagement in Sachen Weiterbildung: Sie wollen die Kompetenzen der Beschäftigten fördern, Weiterbildung verbessert die Wertschöpfung und den Geschäftserfolg, es geht um mehr Leistung und Produktivität und schließlich soll sich auch die Motivation und Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten verbessern.
Und die Beschäftigten – was erwarten die von der Weiterbildung? Sie wollen ihre Chancen zur kontinuierlichen Beschäftigung erhöhen, berufliche Kontakte aufbauen und pflegen und sich den wandelnden Anforderungen stellen. Also Weiterbildung ist für beide Beteiligten eine Win-Win-Situation – es hilft dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer.

5Was ist notwendig, damit die Weiterbildung vom Betrieb bezahlt wird?

Voraussetzung für die Förderung durch den Betrieb ist, dass die Qualifizierung notwendig oder zweckmäßig ist. Es muss also immer auch ein betriebliches Interesse bestehen, sonst greifen die Tarifverträge nicht.
Die betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen, werden in vier Typen eingeteilt. Das klar festzulegen ist wichtig, denn der Betrieb zahlt für die Maßnahmen (Arbeitszeit, Teilnahmegebühren, Reisekosten) in voller Höhe, wenn sie einem der drei Ziele dient:
  • Fortentwicklung des fachlichen, methodischen und sozialen Wissens im Rahmen des eigenen Aufgabengebietes (Erhaltungsqualifizierung),
  • veränderten Anforderungen im eigenen Aufgabengebiet erfüllen können (Anpassungsqualifzierung),
  • bei Wegfall von bisherigen Arbeitsaufgaben, sollen andere gleichwertige oder höherwertige Arbeitsaufgaben übernommen werden (Umqualifizierung).
Eine Besonderheit gibt es aber bei den Weiterbildungen, die dazu dienen
  • um eine andere höherwertige Arbeitsaufgabe im Betrieb übernehmen zu können (Entwicklungsqualifizierung).
In diesem Fall, liegt eine zweckmäßige Weiterbildung vor. Der Zeitaufwand wird nicht vollständig als Arbeitszeit vom Betrieb vergütet, er wird geteilt: Die Hälfte der Weiterbildungszeit ist Arbeitszeit und wird vom Arbeitgeber vergütet, die andere Hälfte bringt die Beschäftigten ein.
Bei den vier unterschiedlichen Typen der Weiterbildung geht es also keineswegs nur um definitorische Feinsinnigkeiten, sondern das hat durchaus konkrete Auswirkungen.

Klar ist auch, dass eine persönliche berufliche Weiterbildung, z.B. der Wunsch, ein Studium der Ingenieurwissenschaften zu absolvieren, nicht vom Betrieb bezahlt wird. Aber, die Tarifverträge helfen dennoch auch hier: Die Beschäftigten haben einen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit und können, wenn sie denn wollen, nach der Weiterbildung wieder in den Betrieb zurückkehren. Die Tarifverträge empfehlen in diesem Fall, eine konkrete schriftliche Vereinbarung zu treffen.

6Wer bekommt eine Förderung?

Wenn der Arbeitnehmer eine Aufstiegsfortbildung macht (zum Beispiel zum Meister, Techniker oder Betriebswirt im Handwerk) kann er 24 Monate lang eine monatliche Förderung von 300 € vom Betrieb bekommen und zwar zusätzlich zu anderen Leistungen z.B. aus dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (Meister-BAföG). Aber es müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Es muss ein betrieblicher Bedarf nach den angestrebten Qualifikationen vorliegen. Es muss eine freiwillige Betriebsvereinbarung abgeschlossen worden sein.
Natürlich gilt: Wenn der Beschäftigte zurück in den Betrieb kommt, sollen die neuen Kompetenzen auch genutzt werden. Der Betrieb ist nach den Tarifverträgen angehalten, dies zu ermöglichen. Sprecht euren Betriebsrat an, welche Regelungen in eurem Betrieb gelten.

7Wer trägt die Kosten für die Weiterbildung?

Mindestens einmal im Jahr soll der Betrieb auf der Grundlage der geplanten oder zu erwartenden Veränderungen den Bedarf an Weiterbildung konkret benennen. Damit ist die Basis geschaffen, um mit dem Betriebsrat oder auch direkt mit dem Arbeitnehmer, das Thema zu erörtern. Für den vom Arbeitgeber festgestellten betrieblichen Qualifikationsbedarf werden die Kosten der Qualifizierung übernommen. Die aufgelisteten Maßnahmen gelten als „betrieblich notwendig“. Die Arbeitszeit ist in diesem Fall zuschlagsfrei zu vergüten oder durch bezahlte Freistellung auszugleichen. Bei Qualifizierungsmaßnahmen hingegen, die betrieblich zweckmäßig (aber nicht notwendig) sind, teilen sich Arbeitgeber und Beschäftigte, wie schon erläutert, die anfallenden Zeitaufwände. Der Arbeitgeber übernimmt in der Regel die Hälfte der Weiterbildungszeit als bezahlte Arbeitszeit und die Beschäftigten investieren die andere Hälfte als Eigenanteil. Das für den Arbeitnehmer anfallende Stundenkontingent wird durch zusätzliche unbezahlte Arbeitszeit eingebracht. Wenn es im Betrieb Arbeitszeitkonten gibt, können die Ansprüche aus dem Konto als Eigenanteil eingebracht werden.

8Muss ich Arbeitszeit später nachholen?

Nur wenn Du dich verpflichtest, einen Eigenanteil zu leisten und dieser durch zusätzliche unbezahlte Arbeitszeit erbracht wird. Dies ist regelmäßig der Fall, wenn die Weiterbildung der Entwicklungsqualifizierung dient, es sich also um eine zweckmäßige Maßnahme handelt.

9Was ist ein individuelles Qualifizierungsgespräch?

In den Tarifverträgen ist dieses Gespräch ausdrücklich vorgesehen. Es kann auch im Rahmen einer Beratung in Gruppen erfolgen. Arbeitgeber und Beschäftigter diskutieren einmal im Jahr, ob und wenn ja, welcher konkrete Bedarf an Weiterbildung besteht. Kommen beide Seiten zu dem Ergebnis, das was passieren soll, dann wird überlegt, welche Maßnahme intern aufgelegt oder welcher Kurs extern besucht wird.

Es gibt viele Formen der Weiterbildung: interne Unterweisung; Fachmessen/Kongresse; Kurse; Lesen von Fachliteratur; Learning by Doing; externe Unterweisung; Abteilungsrotation; Qualitätszirkel/Lernstatt; Supervision/Coaching; Selbstlernprogramme; Arbeitsplatzrotation; eLearning; Austauschprogramme. Du als Beschäftigter weist eigentlich am besten, was beruflich ansteht. Deshalb ist zu empfehlen, eigene Vorschläge in das Qualifizierungsgespräch einzubringen.

10Fördern die Arbeitgeber auch berufliche Weiterbildung,
die nicht betrieblich bedingt ist?

Auch wenn der Betrieb aktuell keinen Bedarf an betrieblichen Qualifizierungsmaßnahmen hat, kannst Du dich dennoch für eine persönliche berufliche Weiterbildung entscheiden. Die Kosten hierfür musst Du dann allerdings alleine tragen.

Werde ich in diesem Fall für die Qualifizierung freigestellt?
Ja. Es besteht ein Anspruch, dafür von der Arbeit freigestellt zu werden. Diese Bildungszeit ist aber keine Arbeitszeit. In diesem Fall entfällt die Vergütung durch den Arbeitgeber.

11Verpflichte ich mich zu was, wenn ich eine Qualifizierung absolviere?

Ja, wer eine Aufstiegsfortbildung (Meister, Techniker, Betriebswirt im Handwerk) mit Unterstützung des Betriebs absolviert, und vor Ablauf von zwei Beschäftigungsjahren kündigt, mit dem kann vereinbart werden, dass anteilig eine Rückzahlung erfolgt.
Aber: Die Rückzahlungsverpflichtung entfällt, wenn bis spätestens 12 Monate nach Beginn des Arbeitsverhältnisses keine adäquate Tätigkeit übertragen worden und dies die Ursache für die Kündigung ist.
Wer eine Weitbildung absolviert hat, ist verpflichtet, die dadurch erworbenen Qualifikationen auch im Betrieb einzusetzen, aber natürlich nur dann, wenn dem Beschäftigten eine entsprechende Arbeitsaufgabe übertragen wurde.

12Was ist mit den Lehrlingen?

Für die Lehrlinge gelten die Bestimmungen der Tarifverträge nicht.
Aber Tarifvertrag Plus empfiehlt eine Förderung von 300 € für maximal 24 Monate, wenn vier Bedingungen erfüllt sind:
  • die Gesellenprüfung bestanden worden ist
  • 12 Monate Berufspraxis in Vollzeit als Geselle vorliegt
  • ein betrieblicher Bedarf besteht
  • eine freiwillige Betriebsvereinbarung abgeschlossen wurde.
Sprecht euren Betriebsrat an, welche Regelungen in eurem Betrieb gelten.

Die "jungen" Gesellen können ein Angebot erhalten den Meister, Techniker oder Betriebswirt im Handwerk zu machen und zwar in Form eines Kombi-Modells: Nach mindestens 12-monatiger Berufspraxis in einem Vollzeitjob, gibt es anschließend Bildungszeit zum Besuch einer weiterführenden Qualifizierungsmaßnahme. Die Ausbildung im Metall-Handwerk ist also keine Sackgasse, die Karriere mit Lehre ist machbar.

13Gibt es ein Zeugnis?

Nein, ein Zeugnis über die erbrachten Leistungen z.B. im Weiterbildungskurs gibt es nicht. Aber die Teilnahme wird dokumentiert und dem Arbeitnehmer bestätigt. In der Regel wird auch aufgeführt, welche Inhalte, in welchem Zeitraum vermittelt wurden. Die Teilnahmebescheinigung kann bei einem Betriebswechsel dem neuen Arbeitgeber vorgelegt werden.

14An wen kann ich mich wenden, wenn ich mich weiterbilden möchte?

Besprich Dein Anliegen mit dem Vorgesetzen. Wenn es einen Betriebsrat gibt, dann kann auch er Fragen beantworten. Bei der Umsetzung der Tarifverträge spielt der Betriebsrat eine wichtige Rolle, er ist aktiver Unterstützer und Umsetzer.

nach oben