Weiterbildung im niedersächsischen Metallhandwerk

Zur Metallbranche in Niedersachsen gehören im Jahr 2012 zirka 3.400 mittelständische Handwerksbetriebe mit zirka 75.000 Mitarbeitern sowie 911 Betriebe der Metallindustrie mit zirka 105.000 Beschäftigten. Die Metallbranche ist nicht nur was die Beschäftigtenzahl angeht von enormer Bedeutung für das Land, hier finden auch sehr viele junge Menschen einen qualifizierten Einstieg in den Beruf. In den vergangenen Jahren hat die Metallbranche zirka 40 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse gestellt. Dem Landesverband Metall Niedersachsen gehören 1.875 Betriebe an.

Durch einen permanenten Wettbewerbsdruck und die zunehmende Automatisierung von produktionsorientierten Tätigkeiten gibt es einen kontinuierlichen Qualifizierungsbedarf in der Branche sowohl für Facharbeiter wie auch im Bereich der einfachen Tätigkeiten. Verstärkt wird dieser Trend durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer, der insbesondere zum Wegfall von einfachen Tätigkeiten und damit zu einem Rückgang der Beschäftigung von un- und angelernten Mitarbeitern führt.

Generell ist festzustellen, dass die Anforderungen an die Arbeit auf allen Ebenen kontinuierlich steigen. Es wird mehr Flexibilität verlangt, zum Beispiel durch Arbeit an verschiedenen Maschinen und die Übernahme von Verantwortung. Prozesshaftes Denken, Qualitätssicherung und -verbesserung werden immer wichtiger, wodurch die Anforderungen an Team- und Kommunikationsfähigkeit steigen.

Gleichzeitig besteht für zahlreiche Beschäftigtengruppen - solange sie sich in einem Beschäftigungsverhältnis befinden - oftmals kein Anlass sich der Herausforderung Weiterbildung zu stellen. Außerdem werden oftmals keine Perspektiven wahrgenommen, die eine Verbesserung der beruflichen Situation ermöglichen. Es fehlt an:

  • der Verstärkung bzgl. Weiterbildungsinformation und -beratung
  • der Förderung von Motivation
  • Unterstützung um Zugangsbarrieren zu überwinden (das Lernen lernen)
  • einer didaktischen Gestaltung von zu Weiterbildung führenden Angeboten, die die oft negativen Lernerfahrungen Geringqualifizierter ebenso berücksichtigen wie Präferenzen und Vorbehalte hinsichtlich bestimmter Lernformen
  • der Entwicklung und Verbreitung arbeitsintegrierter Lernangebote, die an den konkreten Nutzeninteressen der Zielgruppe ansetzen.

Nicht nur für die ArbeitnehmerInnen gibt es Barrieren zu überwinden wenn es um die eigene Weiterbildung geht, auch die Unternehmen tun sich schwer. Zwar ist für Unternehmen die Weiterqualifizierung von Mitarbeitern eine Möglichkeit, dem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zu begegnen, der durch die demografische Entwicklung noch verstärkt wird. Gleichzeitig äußerten Unternehmen in einer aktuellen Befragung (Quelle 1: siehe unten) einen hohen Bedarf an Unterstützung bei der Qualifizierung von Mitarbeitern. Der Informations- und Beratungsbedarf besteht für alle Phasen des Prozesses und zwar von der Erhebung des Qualifizierungsbedarfs, über die Planung und Organisation der Qualifizierung bis hin zur Durchführung der Qualifizierung und der Optimierung von Lernprozessen. Die Mehrzahl der Unternehmen wünscht sich die Unterstützung in Form von übersichtlich bereitgestellten allgemeinen Informationen und Instrumenten (zum Beispiel über das Internet) sowie durch direkte persönliche Beratung.

Eine Erhebung zu Qualifizierungsbedarfen in niedersächsischen Unternehmen (Quelle 2: siehe unten) kommt u. a. zu folgenden Ergebnissen:

  • Das Thema Qualifizierung ist in den Unternehmen sehr präsent. 76 Prozent aller Befragten gibt an, aktuell einen mittleren bis hohen Qualifizierungsbedarf zu haben, mit steigender Tendenz in den kommenden Jahren.
  • Insbesondere in kleinen Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten bestehen Schwierigkeiten, die Qualifizierungsbedarfe konkret zu erfassen und in eine mittel- bis langfristige Personalentwicklung einzubinden.
  • Eine wachsende Bedeutung kommt überfachlichen Qualifikationen zu. In Ergänzung dazu wird ebenfalls ein dringlicher Weiterbildungsbedarf zu Themen des Managements und der Organisation gesehen.
  • Um vorhandene Bildungspotentiale zu erschließen, ist eine nachfrageorientierte Angebotsgestaltung wichtig, die auf die Bedürfnisse der Unternehmen abgestimmt ist.
  • In der Angebotsplanung ist die Praxisnähe bzw. die Aktualität der Inhalte unabdingbar. Zudem sollten die individuellen Wünsche hinsichtlich der Inhalte, aber auch der zeitlichen Organisation von den Weiterbildungsanbietern berücksichtigt werden.
  • Insbesondere kleine Unternehmen benötigen Beratungsangebote und Hilfestellungen zur Integration beruflicher Bildung in den Arbeitsprozess.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Immer komplexer werdende Arbeitsanforderungen auf allen Ebenen führen zu immer höheren Qualifikationsbedarfen. Gleichzeitig ist die Teilnahme an Maßnahmen der Fort- und Weiterbildung im verarbeitenden Gewerbe nur unterdurchschnittlich ausgeprägt. Um dem zunehmenden Wettbewerbsdruck in dieser für Niedersachsen existenziell wichtigen Branche standzuhalten und den sich durch die demografische Entwicklung noch verstärkenden Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zu begegnen, haben Unternehmen Interesse an der Weiterqualifizierung ihrer Beschäftigten.

Mit konkreten Absprachen wollen die Tarifparteien des Metallhandwerks, also der Landesinnungsverband und die Gewerkschaft IG Metall, dass mehr Betriebe und Beschäftigte sich in Sachen Weiterbildung engagieren. Die Betriebe erhalten heute Aufträge, die nur mit moderner Technik, Kreativität und mit immer Innovationen zu stemmen sind. Um hohe Qualität abliefern zu können, brauchen die Arbeitnehmer umfassende Kompetenzen, die gilt es zu entwickeln und zu pflegen. Sich weiter bilden ist für jeden Beschäftigten unabdingbar. Die Tarifverträge stellen Regeln auf, nach denen qualifiziert wird. Sie schaffen einen festen Grund, von dem aus alle Beteiligten sicher operieren können.


Quellen:

1) Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH, „Qualifizierung An- und Ungelernter“, Ergebnisse einer Befragung von Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektroindustrie, 2008

2) Prof. Dr. Herbert Schwab, Dr. Friedrich Gerstenberger, Dipl.-Päd. Wiebke Tute: „Qualifizierungbedarfe aus Unternehmenssicht“, Ergebnisse der ersten Befragung des WepaN Weiterbildungspanels Niedersachsen 2008 - Gesamtauswertung, S. 6